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Man hat ganz eindeutig und endgültig seine Jugend hinter sich gelassen, sobald man entweder zu einer Silberhochzeit von alten Freunden eingeladen wird, oder aber Kleingedruckte selbst bei bester Beleuchtung nicht mehr entziffern kann.
Es begann schleichend. Zunächst wunderte ich mich, warum Kleingedrucktes, wie Beipackzettel von Medikamenten, nicht mehr ohne weiteres lesbar waren. Aber man weiss sich ja zu helfen: Ich sorgte für mehr Licht, indem ich eine stärkere Birne in die Leselampe schraubte, danach ging es wieder für einige Monate. Später verlängerte ich den Abstand zwischen Augen und Gedrucktem, indem ich die Arme ausstreckte. Danach begann meine bereits vorhandene Brille, ihren angestammten Platz an der Nasenwurzel zu verlassen wann immer es etwas zu lesen gab. Da ich weitsichtig bin konnte ich mir helfen, indem ich sie immer weiter Richtung Nasenspitze schob, wenn ich kleine Dinge erkennen musste. Sie glitt je nach Bedarf auf meinem Nasenrücken mal mehr, mal weniger nach vorne. Natürlich ist mir klar, dass der Begriff „Gleitsichtbrille“ etwas ganz anderes bedeutet als auf meiner Nase rauf und runter zu gleiten.
Erst vor einigen Wochen sind meine Arme und meine Nase nun endgültig zu kurz geworden. Ich habe mir einen Termin zu einem Sehtest geben lassen. Danach bekomme ich höchstwahrscheinlich eine echte Gleitsichtbrille. Eine von der Art, die mich zwingt, beim Lesen den Kopf leicht in den Nacken zu legen, damit ich durch die untere Hälfte der Brille schauen kann. Das macht dann immer so einen weisen und erfahrenen Eindruck auf andere.
Wie jung sind Sie? Sind Ihre Arme noch lang genug? Sollten Sie vielleicht auch mal zu einem Sehtest gehen? Oft merkt man es gar nicht selbst, wenn man nicht mehr richtig sieht. Lassen Sie doch mal Ihre Augen testen!
Bleiben Sie gesund! |